Das falsche Bild vom Schanzenviertel


Spiegel TV war live dabei. Welt, Bild und Hamburger Abendblatt sowieso. Auch die SZ berichtete in ihrer Montagsausgabe über ein Straßenfest in einem Hamburger Stadtteil.
Mein Freund Nils schrieb mir eine SMS: „Was ist denn bei Euch in Hamburg schon wieder los?“ Gute Frage.

Das war los: Polizisten jagen sogenannte Autonome und Autonome jagen Polizisten. Klingt nach Räuber und Gendarm. Ist es aber nicht. Ist nämlich ernst  –  und kein Kinderspiel. Der Tenor der medialen Berichterstattung: „Sechs Stunden Straßenschlacht – Das Protokoll“, „Schwere Straßenschlacht im Schanzenviertel“, Hamburg im Griff autonomer Gewalttäter“. Danach die üblichen Aufräumarbeiten. Die hier fortgesetzt werden.

Sorglos
Nils wohnt in Münster und war, so weit ich weiß, noch nie im Schanzenviertel. Hat er die Nachrichten über das Straßenfest verfolgt, so muss er glauben, dass die Schanze ein gefährliches Pflaster ist – mindestens wie Sodom und Gomorrha. Auch von Anderen hörte ich schon Fragen wie: „Kann man überhaupt abends durch das Schanzenviertel laufen?“ Selbst meine im Hamburger Stadtteil Flottbek lebende Tante wies mich Weihnachten darauf hin, das Viertel zu meiden, da es zu gefährlich sei. Als ich Nils erzählte, dass ich im Schanzenviertel arbeite (einem Viertel in dem mindestens am 01. Mai und Anfang Juli Steine auf Polizisten geworfen werden, die Polizei auf Menschen einprügelt,) machte er sich vielleicht Sorgen – muss er aber nicht.

Ein guter Ort zum Arbeiten
Das Schanzenviertel ist ein sehr guter Ort zum arbeiten. Diese Meinung habe ich nicht exklusiv. Etliche renommierte Hamburger PR-und Werbeagenturen haben sich hier angesiedelt, es gibt die Salzbrenner-Wurstfabrik, Tim Mälzers neues Restaurant die Bullerei und Büromarkt Hansen. Man tritt vor die Tür und die Schanze lebt. Menschen aus verschiedensten Branchen arbeiten und leben in diesem Viertel, schwirren durch die Straßen. Hier pulsiert das Leben. Das animiert und inspiriert. Die Schanze ist ein bunter, lebhafter und prinzipiell friedlicher Stadtteil. In der Mittagspause hat man die freie Auswahl an verschiedensten kulinarischen Angeboten: von Burrito bis Kumpir, von Fischspezialitäten bis Pasta.

Nach Feierabend ist die Schanze ein Ort zum Ausgehen. Zum Essen, Trinken, Freunde treffen. Ich kenne einige Menschen, die in der Schanze leben. Keiner von diesen hat bei den Randalen mitgemacht, was weniger daran lag, dass sie keine Zeit hatten, sondern vielmehr an der Tatsache, dass die Autonomen in der großen Mehrzahl weder hier leben noch arbeiten.

Abgelegt unter: Weblog · Tags:, , · Malte Koerth @ Mittwoch, 8. Juli 2009 11:41 Uhr

Keine Kommentare

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen