Musik kann so vieles sein. Ich sollte es wissen, ich hab’s studiert. Entspannung, Motivation, Zerstreuung und Identifikation. In der S-Bahn aber ist das mit der Musik so eine Sache.
Manchmal frage ich mich, was die Leute so hören, die mit mir morgens zur Arbeit fahren. Meine Erfahrung als Musikstudent sagt mir, nur manchmal kann vom Äußeren auf den Musikgeschmack schließen. Mein heutiger Sitznachbar, ich nenne ihn Homie, wird diesen Zweifel jedoch nicht aufkommen lassen. Er zeigt der Welt, wer er ist, oder zumindest, wer er gerne wäre: Mit losen Schnürsenkeln, tief sitzender Hose, einem Cap das modisch passend unpassend für seinen Kopf ist und Klunkern an den Ohren, die von seinem bubenhaften Gesicht ablenken sollen.
Er stellt sein Handy auf laut und steckt es in die Hose, damit alle den Song mithören können: “Du bist Kakerlake, denn du fährst keinen Benz, du bist Kakerlake, denn…” geht der Song. Ich frage mich, warum er nicht die neusten Techniken der Audio-Industrie zu seinen Statussymbolen hinzunimmt und sich den Insektensong voll auf die eigenen Ohren drückt. Super Klangqualität und mega laut, jedes Schimpfwort bis in die kleinste Nuance zu verstehen. Aber eben nur für ihn.
Dann wäre es aber kein Statussymbol mehr. Dann würden sich alle Mitreisenden verzweifelt fragen, was er wohl hört. Sie würden schlaflose Nächte bekommen bei der Frage, welche Musikepoche dem jungen Mann imponiert und welcher Komponist seinen Gusto trifft.
Aber zum Glück, er zeigt es uns ja…

“Insektensong”.. voll geil ;)
Ich hab von “Du hast die Haare schön” bis hin zu älteren “Tote Hosen”-Songs über den Koitus im Garten schon alles erlebt.
Arme Irre.
Deshalb fahre ich seit ein paar Jahren Auto in der Stadt ;o)
Hübsch ist immer, wenn sich hier während eines Projektmeetings ein Handy mit lautem Gebrüll meldet: “Heeeerzilein..” oder Schnappi/Schnuffel/*andererdebilerplärrsong*
Die Kollegen entschuldigen das dann immer damit, dass ihre Kinder wieder am Firmenhandy rumgespielt hätten.
Nur: Ändern tun sie den Song nicht.
Ein Kumpel erzählte mal, dass er, ein wenig angetrunken, das plärrende Handy einer 15-Jährigen einfach aus dem Fenster einer fahrenden S-Bahn geworfen hat.
Zack, Ruhe.
Gut, bis auf das Geplärre der Handybesitzerin. Dafür aber mit Beifall der Mitfahrenden.
Vibrationsalarm wird offensichtlich allgemein als Goodie für Menschen ohne Sexualpartner eingeschätzt. ;b
Comment von Felix — Mittwoch, 13. August 2008 · 14:41 Uhr · Link zum Kommentar
“passend unpassend” – gefällt mir!
Comment von Steffen — Donnerstag, 14. August 2008 · 14:16 Uhr · Link zum Kommentar