Ich habe da was auf dem Herzen:
Ich kann das Gejammer nicht mehr hören, dass man in sozialen Netzwerken “zu viele” Freunde hat. Dass niemand mehr als 130 Freunde verarbeiten kann. Dass Freunde im Internet keine echten Freunde sind…
Das ist ein semantisches Problem: Die Bedeutung des Wortes “Freund” verändert sich gerade. Das kann man jetzt wortreich beklagen, man kann aber auch damit neu umgehen lernen. Niemand wird ernsthaft einfach alle seine Follower oder Twitter-Freunde auf die eigene Hochzeit einladen. Enge Freunde sind und bleiben enge Freunde.
Was wir brauchen ist ein neuer Umgang.
Klar: Man sollte nicht alles mit allen teilen. Aber das sollte man offline auch nicht. Ein Prof in Osnabrück riet mir immer: “Heuermann, auch einfach mal die Klappe halten!”
(Was durchaus wohlwollend gemeint war)
Was wir brauchen sind neue Begriffe für die verschiedenen online Kontakte. Denn schließlich gibt es doch auch jetzt schon viele andere Wörter, die verschiedene Arten der Freundschaft umschreiben: Kameradschaft, Sympathie, Kinderfreundschaft, Solidarität, Kumpels, Buddies, Homies…. etc. So etwas sollte sich auch online entwickeln.
Ich denke jeder hat verschiedene Kreise, mit denen er /sie verschiedene Informationen teilt. Das war aber vor dem social web auch schon so!
Denken wir an vier folgende Sätze, jeder wäre an einen anderen Kreis gerichtet:
- “Ich habe hier einen interessanten Artikel gelesen”
- “Ich suche eine neue Wohnung”
- “Ich gehe heute Abend zum Konzert, wer will mit?”
- “Ich hab keinen Bock auf meinen Termin morgen!”
Ich denke, man ist gut beraten, wenn man sich auch für seine Identität im Netz überlegt, welches Tool mit welcher Einstellung für welchen Kreis gedacht ist.
Ja, ich weiß: Sexy sind die Privatsphäre-Einstellungen nicht, aber hilfreich. Denn ist der Ruf nicht ruiniert, surft es sich ganz ungeniert. ;-)
